Restaurierung und Rekonstruktion der historischen Windanlage der Orgel in Ilumäe / Estland
Die Thal-Orgel von 1839 in der Kapelle von Ilumäe / Estland, derzeit nicht bespielbar.
Als Voraussetzung für die spätere Restaurierung der Thal-Orgel von 1839 in der Kapelle von Ilumäe / Estland wird seit Sommer 2019, in mehreren Arbeitsphasen, die historische Keilbalganlage des Instrumentes restauriert und rekonstruiert. Die Wiederaufstellung der Anlage wurde im Sommer 2023 umgesetzt.
Auffindung der Windanlagendetails auf dem Dachboden der Kapelle in Ilumäe und Transport nach Riga / Lettland, zusammen mit Carl Jakob Eckert und dem lettischen Orgelrestaurator Alvis Melbardis im Sommer 2019:
Erste Bearbeitungsphase in Alvis Melbardis Restaurierungswerkstatt in Riga / Lettland, in den Jahren 2020 und 2021:
Transport der Windanlagenbestandteile in die Werkstatt von Eckert Restaurierungen nach Tuningen / Süddeutschland im Oktober 2021 und zweite Bearbeitungsphase von Oktober 21 bis Ende Januar 2022:
Transport, Ausladen, Einlagern in der Werkstatt
Beginn der Intensiv-Reinigung sämtlicher Details
Die Bälge sind in den 1990er Jahren neu beledert worden. Die damals durchgeführten Maßnahmen waren zwar mit großem Engagement, jedoch ohne wirkliches Wissen um die Notwendigkeiten zur Bearbeitung historischer Balganlagen ausgeführt worden. So müssen zunächst alle weißen und schwarzen Belederungen sehr aufwändig wieder entfernt werden.
Sämtliche Windanlagendetails sind extrem verschmutzt.
Zudem wurden, im Zuge der letzten Überarbeitung vor. ca. 25 Jahre, undichte Bereiche, Risse und Spalten in unangemessener Weise mittels Spachtelmasse (rote Pfeile) und Kontaktkleber (innerhalb gelber Bereiche) großflächig behelfsmäßig abgedichtet.
Auch wurden, quasi aus der Not heraus, zusätzliche Metallscharniere (blaue Pfeile angebracht).
All diese Zusätze müssen nun äußerst mühsam und extrem zeitaufwändig entfernt werden.
Dritte Bearbeitungsphase von Januar bis Ende März 2022:
Fortsetzung der Intensiv-Reinigung sämtlicher Details
Erster Probeaufbau der Balgtragekonstruktion in der Werkstatt
Mitarbeiter Jaanus Mägi reinigt den historischen Hauptwindkanal und entfernt daran angefügte Zusätze aus vergangenen Umbauten und Renovierungen (oben und rechts im Bild).
Im Zuge der Balgreinigungsarbeiten werden die Bälge Stück für Stück in ihre Bestandteile zerlegt und von unangemessenen Zusätzen aus den letzten 130 Jahren befreit.
In die Balgunterplatte (oben im Bild) ist jeweils eine quadratische Aussparung eingeschnitten, durch die der Orgelwind angesaugt werden kann. Jede Aussparung ist unterseitig mit Rückschlagventilen bestückt, die in quadratischen Holzrahmen eingefügt sind (Bild rechts und Bilder unterhalb). Diese Rückschlagklappen sowie weitere in den Windkanälen eingebrachten Rückschlagklappen sind enorm verschmutzt und während verschiedener Überarbeitungen mit unpassenden Lederauflagen versehen worden. All dies musste
entfernt und gereinigt werden. Die Rückschlagklappen sind dabei in vielerlei Einzelteile zerfallen und müssen anschließend wieder neu zusammengefügt, beledert, angebracht und justiert werden.
Abgelederte und gereinigte Rückschlagklappenelemente.
Sämtliche Bestandteile der Balgtragekonstruktion sind gereinigt und für den ersten Probezusammenbau bereit gelegt.
Erster Probeaufbau der Balgtragekonstruktion in der Werkstatt durch Orgelbauer Martin Hübner und Mitarbeiter Jaanus Mägi.
Der Aufbau wird anhand einer von Alvis Melbardis in Riga erstellten Rekonstruktionszeichnung durchgeführt.
Vierte Bearbeitungsphase von April bis Sommer 2022:
1. Restaurierung der teilweise total desolaten Holzbestandteile der Windanlage:
Ausbohren bzw. Freilegung schadhafter Stellen:
inklusive der sehr zeitaufwändigen Entfernung alter, nachträglich hinzugefügter Metallapplikationen und Nägel, deren Korrosionsprodukte ansonsten die Holzsubstanz weiter schädigen würden,
zudem ausbohren sämtlicher, im Zuge späterer Überarbeitungen eingefügter Faltenscharniere (mittels Holznägeln beidseitig in Bohrungen in den Falten fixierten Schnurscharnieren).
Ausführung von Holzergänzungen bzw. Einsetzung von Ausflickdübeln
Verleimung gebrochener Bereiche / Rissbereiche an den Balgfalten.
Teilweise werden die Rissbereiche anschließend auf den Rückseiten der Balgfalten ausgeschnitten und zusätzlich stabilisierend wirkende Holzeinfügungen eingeleimt.
etc.
Verschiedene der aus Holz gefertigten Balgfalten sind, aus der Not heraus, nachträglich mit Messingscharnieren verbunden worden. Diese Eingriffe wurden unter Umständen schon Ende des 19. Jahrhundert, vielleicht aber auch erst im 20. Jahrhundert vorgenommen.
All diese Zusätze müssen entfernt und die nach ihrer Entfernung sichtbar werdenden Fehlstellen müssen ergänzt werden.
Zudem wurden verschiedene Lederpartien nachträglich zusätzlich mit Eisennägeln an den Holzfalten befestigt. Die Eisennägelköpfe sind mittlerweile wegkorrodiert. Die Nägel selbst sind jedoch im Holz verblieben. Ihre Korrosionsprodukte sprengen nun die umgebende Holzsubstanz. Somit müssen alle Eisennägel ausgebohrt und die dabei entstehenden Fehlstellen durch Einfügen von Ausflickdübel ergänzt werden.
Gleiches gilt für die korrodierten Schraubenlöcher, die nach der Entfernung der Messingscharniere frei geworden sind.
Die Balgfalten weisen eine Vielzahl von Bruchstellen und Risse auf, die im Zuge der letzten Renovierung nicht nachhaltig geleimt werden konnten. Nun müssen alle früheren Rissverleimungen überprüft und großteils nochmals neu verleimt werden.
Bereichsweise werden die Rissbereiche auf den Rückseiten der Balgfalten ausgeschnitten und zusätzlich stabilisierend wirkende Holzeinfügungen eingeleimt.
Die im Zuge späterer Überarbeitungen eingefügten Faltenscharniere (oben im Bild: mittels Holznägeln beidseitig in Bohrungen in den Falten fixierten Schnurscharnieren) müssen ausgebohrt (links unten im Bild) und mit Ausflickdübeln (unten im Bild) ausgefüllt werden.
2. Bau zusätzlicher neuer Windkanäle
zusammen mit Orgelbaumeister Martin ter Haseborg in der Werkstatt von Orgelbau in Ostfriesland.